Gute Zukunftsaussichten bei der HSG

Von Dieter Freese

Seit Sonnabend haben die Verantwortlichen bei der HSG Delmenhorst Planungssicherheit. Mit einem 42:31-Kantersieg in eigener Halle gegen einen allerdings in allen Belangen enttäuschenden TV Cloppenburg hat das Team des Trainer-Duos Andre Haake/Werner Rohlfs den Verbleib in der Handball-Oberliga Nordsee auch für die kommende Saison gesichert. Damit hat der Aufsteiger das gesteckte Ziel im ersten Oberliga-Jahr seit 2003 am drittletzten Spieltag auch rein rechnerisch erreicht.

13 lange Jahre

Ja, lange 13 Jahre mussten die Delmenhorster Fans warten, bis sie in der Stadionhalle endlich wieder Oberliga-Handball genießen konnten. Zuletzt war der Verein von 2000 bis 2003 drei Spielzeiten lang in der höchsten Klasse der Verbände Niedersachsen und Bremen vertreten. Das letzte Oberligaspiel vor dem Aufstieg hat die HSG am 3. Mai 2003 bestritten. Da setzte es im letzten Saisonspiel in eigener Halle ein 19:21 gegen TV Oyten. Mit 17:31 Punkten mussten die Delmenhorster die Liga wegen Strukturänderungen als Tabellenzehnter verlassen. Am Ende der Saison war es bei der HSG ein wenig drunter und drüber gegangen: Trainer Adrian Hoppe wurde entlassen, für die letzten drei Spieltage übernahm Dirk Lindhorst. Insgesamt hatten die Delmenhorster damals in zwei Spielzeiten sieben Trainer entlassen.

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Aber das ist Vergangenheit. Dass Delmenhorst traditionell eine Handball-Stadt ist, wurde schon in der ersten Oberliga-Saison der „neuen Zeitrechnung“ mehr als deutlich. Beachtliche 350 Zuschauern im Schnitt pro Heimspiel wurden gezählt.

Das stimmt auch für die Zukunft optimistisch. Dabei soll für die kommende Saison gar nicht soviel verändert werden – auch nicht personell. „Die Mannschaft soll sich entwickeln. Wir haben eine große Jugendabteilung, für die die Perspektive Oberliga sehr wichtig ist, sagt HSG-Vorsitzender Jürgen Janßen dem Delmenhorster Kurier.“ Ein weiteres Pfund, auf dem aufgebaut werden kann: Die Reserve der Delmenhorst steht kurz vor dem Landesliga-Aufstieg. Auch das kann zu einer Unterstützung der ersten Männermannschaft werden.

In Zukunft mehr Erfahrung

Große personelle Änderungen wird es für die kommenden Saison nicht geben. Ganz sicher eine Verstärkung wird Rückraum-Shooter Torben Kruse, der vom Ligagefährten TSG Hatten/Sandkrug kommt. Der Ex-Neerstedter bringt nicht nur Torgefährlichkeit, sondern auch Erfahrung mit in die Stadionhalle.

Genau an der noch fehlenden Erfahrung hat es gelegen, dass der Ligaverbleib nicht schon früher unter Dach und Fach war. Gleich dreimal verlor die HSG mit nur einem Tor Unterschied. „Das war unter anderem der fehlenden Erfahrung geschuldet“, sagt auch Haake. Der Spielertrainer war oft der einzige Routinier auf dem Feld, weil Stefan Timmermann längere Zeit mit einem Mittelhandbruch fehlte. Der Coach wünscht sich, dass seine Mannschaft in der kommenden Saison in engen Partien cleverer auftreten wird.

Philipp Freese wird zum Führungsspieler

Dazu kann bestimmt Kruse beitragen. Aber auch ein Philipp Freese, der in der Saison davor noch ein Perspektivspieler beim TV Neerstedt war, wegen der großen Konkurrenz auf der Rechtsaußen-Position mit Bastian Carsten-Frerichs nicht so viele Spielanteile hatte, dürfte in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Der Rechtsaußen, der seit den Minis in Delmenhorst Handball gespielt hat und als A-Jugendlicher nach Neerstedt gewechselt war, ist der einzige von den Neuzugängen, der wirklich eingeschlagen hat. „Philipp hat einen extremen Sprung nach vorne gemacht“, lobt Haake den 22-Jährigen Linkshänder, der auch in der Abwehr seinen Mann steht. Er sei inzwischen zu einem Führungsspieler gereift.

Bei den anderen Neuen verhinderten dagegen gesundheitliche Probleme oder berufliche Verpflichtungen den großen Durchbruch. Der frühere Achimer Niclas Schanthöfer war mehrfach ebenso verletzt wie der frühere Neerstedter Torwart Olaf Sawicki. Die Ex-Brinkumer Tim Kieselhorst und Meik Schäfer standen aus beruflichen und privaten Gründen häufig nicht zur Verfügung – auch nicht beim Training.

Jörn Janßen und Fino Oetken mit guter Saison

Aber auch andere Spieler der HSG haben die erste Oberliga-Saison genutzt, um sich weiter zu entwickeln. Der auch auf der Mittelposition eingesetzte Rückraumspieler Jörn Janßen – gegen Cloppenburg 14facher Torschütze – und Fino Oetken haben sich in der neuen Umgebung gut zurechtgefunden. Auch die Torhüter Mirko Lettmann und Sönke Schröder bewiesen Oberliga-Tauglichkeit. Benjamin Janssens warf entscheidende Tore aus dem Rückraum und avancierte zu einem wichtigen Spieler. Ansteigende Form bewies zuletzt auch Linksaußen Tobias Schenk, der in einer Phase, als es nicht so gut lief, schon ans Aufhören gedacht hatte. Benjamin Janssens war in der Abwehr meistens eine Bank und hat wichtige Tore erzielt.

Der aktuelle Kader bleibt zusammen. Auch Haake macht zusammen mit Rohlfs weiter. Marcian Markowski und Meik Schäfer stehen allerdings künftig nur noch sporadisch zur Verfügung. Dafür hat Christopher Hartwig für ein weiteres Jahr zugesagt, obwohl er mittlerweile in Hildesheim studiert. So konnte die Suche nach einem weiteren Kreisläufer eingestellt werden.

Zugänge gibt es kaum. Neben Kruse wurde Kreisläufer Alexander Schöps vom Bezirksligisten TG Herford (Nordrhein-Westfalen) verpflichtet. Die Verantwortlichen würden auch gerne Lasse Till zurückholen, der bei der HSG Delmenhorst ausgebildet wurde und zuletzt für den HC Bremen in der A-Jugend-Bundesliga auflief. „Groß einzukaufen entspricht nicht unserer Philosophie“, unterstreicht HSG-Chef Janßen noch einmal.

Nächste Zielsetzung: „Im Mittelfeld etablieren“

Am Sonnabend steht die lange Fahrt zum in letzter Zeit stärker gewordenen Schlusslicht SG Neuenhaus/Uelsen auf dem Programm. Eine Woche später, am 7. Mai, wir die Saison bei Anpfiff um 19.30 Uhr mit einem Heimspiel gegen TV Bissendorf/Holte beendet.

Am zweiten September-Wochenende beginnt dann die Spielzeit 2016/17. Die Zielsetzung der HSG Delmenhorst dürfte für die zweite Oberliga-Saison nach dem Wiederaufstieg etwas höher geschraubt werden. „Im Mittelfeld etablieren“, dürfte sie lauten…

Titelbild: Die HSG (rote Trikots) bei einem ihrer großen Überraschung-Coups in dieser Saison – dem 30:26-Sieg bei der HSG Barnstorf/Diepholz. Foto: Dieter Freese

„Green Division“ unterstützt Werder

Ab Montag wird es einen neuen, eingetragenen Werder-Fanclub mit Delmenhorster Beteiligung geben. Er nennt sich „Green Division“. Hauptinitiatoren und Ideengeber sind der Atlas-Fußballer Fabian Borrmann und sein Bremer Freund Julian Ziegler.

sv-atlas-1314-borrmann   Fabian Borrmann im Atlas-Trikot.

„Also, die Idee kam ehrlich gesagt ganz unerwartet und spontan – bei einem Bierchen in der Ostkurve des Weser-Stadions natürlich“, berichtet „Fabi“ Borrmann dem Blog „sportlocal“. – „Erst waren wir zwei bis drei Arbeitskollegen, die regelmäßig den Support unseres  Vereins nach vorne gebracht haben,“ führt Borrmann weiter aus. Aber dann habe sich das blitzschnell weiter entwickelt. „Aus zwei, drei wurden auf einmal sieben bis zehn Interessenten. Nicht nur Arbeitskollegen, sondern Leute aus Julians Umfeld und aus meinem.“ Man habe sich irgendwie gesucht und gefunden. Alle würden sich super verstehen.

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„Von Woche zu Woche wurden wir mehr“, plaudert Borrmann aus dem Nähkästchen. „Mittlerweile sind wir 15 Leute, die regelmäßig Lust haben, ins Stadion zu gehen.“ Daher sei auch die spontane Idee entstanden, den Club zu gründen. „Das bietet uns als offizieller Werder-Fanclub natürlich viele Vorteile, aber wir übernehmen im Gegenzug auch eine gewisse Verantwortung.“

Im Vordergrund stände aber der Spaß und das sei die Hauptsache. Ein Versprechen macht Borrmann auch noch: „Den Club wird es auch noch geben, wenn Werder absteigen sollte…“ Daran glaube in der Gruppe aber niemand so wirklich.

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Das Logo für den neuen Fanclub hat übrigens der für sein grafisches Knowhow bekannte Delmenhorster Dieter Freese entworfen. Der hat seinerzeit auch das Logo des Delmenhorster St. Pauli-Fan-Clubs „Delme Piraten“ kreiert.

HSG nutzt gute Verbindung

Neerstedt stellt die Weichen

Von Dieter Freese

Fünf Spieltage vor Ende der aktuellen Spielzeit und wenige Tage vor dem prestigeträchtige Derby gegen die HSG Delmenhorst am Sonnabend um 19.30 Uhr in eigener Halle gibt der Handball-Oberligist TV Neerstedt den vorläufigen Kader für die kommenden Saison bekannt. Natürlich befänden in der „Pipeline“ laut Trainer Jörg Rademacher noch weitere Spieler, mit denen Gespräche geführt werden. Die Neerstedter setzten dabei auf junge Spieler und einen breiteren Kader. In der laufenden Saison hat der TVN mit ständigen Personalsorgen zu kämpfen.

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Torwart-Trainer Jens Kanzog und Trainer Jörg Rademacher mit den neuen  Spieler Julian Hoffmann, Christoph Groß, Lukas Ortmanns, Hendrik Legler und Leon Linngrön (von links). Fotoquelle: TV Neerstedt

Schon einsatzbereit

Unter den vier Neuzugängen, die jetzt neben Lukas Oltmanns, der bereits im Oberligakader des TVN war, präsentiert worden sind, ist ein Spieler, der wegen eines Doppelspielrechts bereits im Derby am Sonnabend sein Debüt im TVN-Trikot geben kann. Allrounder Julian Hoffmann soll zunächst vor allem die Kreisläufer-Position verstärken. Der 18-Jährige hat dass Handball spielen an seinem Wohnort in Bookholzberg gelernt. Seit 2012 ist er im Kader der Bundesliga-A-Jugend des HC Bremen aktiv. Er bringe nach TVN-Angaben alles mit, was das Neerstedter Team verstärkt und sei hoch motiviert. Er soll den zum Saisonende ausscheidenden Marcel Tytus ersetzen der auf eigenen Wunsch geht. Da Hoffmann bereits seit Anfang Februar mit dem aktuellen Kader trainiert, dürfte er sich nahtlos in die Mannschaft integrieren können.

Die neue Nummer eins

Ab der kommenden Saison wird Hendrik Legler die Nummer eins im Tor des TV Neerstedt sein. Er wechselt vom Drittligisten HSG Varel-Friesland zum Rademacher-Team. Das 23-jährige Vareler Eigengewächs gilt mit seinen 1,97 Meter als großes Talent und bringt eine fünfjähriger Drittliga-Erfahrung mit. Er wird zusammen mit Lukas Oltmanns, der aus der zweiten Mannschaft des TVN aufrückt und wegen Kupers Verletzung bereits in der Oberliga zu Einsatz kam, und Christoph Kuper das Torhüter-Team bilden. Kuper, einer der besten Keeper der Oberliga Nordsee, will aus familiären Gründen und wegen einer geplanten Selbstständigkeit allerdings etwas kürzer treten und damit als „Standby-Spieler“ die Nummer drei im Torhüter-Trio bilden. Ausschlaggebender Grund, zum TV Neerstedt zu wechseln, war für Segler unter anderen sein Job im nahe liegenden Wardenburg. Außerdem dürften seine Spielanteile in Neerstedt wesentlich größer sein als in Varel. Torhüter Tristan Depenbrock wird den TV Neerstedt auf eigenen Wunsch zum Saisonende verlassen.

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Der „Rohdiamant“

Als weiteren Neuzugang vermeldet der TVN den 1,93 Meter langen Rückraumspieler Christoph Groß vom Wilhelmshavener HV II. Mit seinen 1.93 Metern und seinen 20 Jahren kommt ein weiterer junger Akteur zum TV Neerstedt, den Rademacher als „Rohdiamat“ bezeichnet. Groß hat mit seiner Leistung im Landesliga-Duell mit dem TVN II das Interesse des Neerstedter Oberliga-Trainers geweckt. Dadurch, dass er ein Studium in Oldenburg begonnen hat und auch dort wohnt, bot sich der Wechsel an, weil er sich auch unbedingt weiter entwickeln möchte und der Sprung in Wilhelmshaven von der Landesliga in die  2. Bundesliga zu groß sei.

Der junge Linkshänder

Neu im TVN-Kader 2016/17 wird auch Leon Linngrön sein. Auch er kommt von der Bundesliga-A-Jugend des HC Bremen wo er seit dem letzten Jahr spielt. Weitere Stationen seiner Karriere waren die JSG Wilhelmshaven und die HSG Varel. Auch er ist mit seinen 18 Jahren und seinen 1,93 Meter als Linkshänder ein ganz wichtiger Rückraumakteur, der hungrig ist und damit ein wichtiger Faktor im zukünftigen Neerstedter Oberliga-Kader sein wird.

Der Plan und ein Blick zurück

Rademacher sieht das neu zusammengestellte Team als ein Perspektiv-Kader an, mit dem man über Jahre hinweg agieren könne. Der Coach unterstrich noch einmal, an seinem bei Amtsantritt verkündeten Drei-Jahres-Plan festhalten zu wollen. Danach wollte er im ersten Jahr im oberen Bereich der Tabelle abschließen (aktuell steht der TVN auf Rang sieben). Im zweiten soll es um die Meisterschaft gehen und im am Ende des dritten Jahres soll nach Möglichkeit die 3. Liga stehen.

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Hat einen festen Plan: TVN-Trainer Jörg Rademacher

 Der TVN hat den Altersdurchschnitt des Oberliga-Kaders von 27,5 auf 24,5 Jahren gesenkt. Damit wird deutlich, dass der Verein auf junge Spieler setzen will. Dieses Ansinnen ist sportlich, weil die Neerstedter nicht aus eigenem Nachwuchs schöpfen können. Eine A-Jugend hat der Landkreisverein aktuell nicht im Spielbetrieb, die B-Jugend führt derzeit die Regionsliga an und die männliche C liegt im Mittelfeld der Landesliga. Wehmütig denkt man dabei an Zeiten zurück, als der TVN mit dem Männerteam in der 3. Liga spielte und sich aus einer Regionalliga-A-Jugend verstärken konnte.

Vielen Dank für die Informationen an Frank Bartsch