Das Museum eines Atlas-Fans

Von Dieter Freese

Fußballpausen sind für einen echten Fan kaum auszuhalten, das Warten auf die nächsten Spiele wird fast unerträglich. Da gilt es, sich etwas einfallen zu lassen, um die öde Zeit totzuschlagen.

Genau das hat auch Kevin Drewes aus Bookholzberg in der Winterpause der Saison 2014/15 getan. Er hat die Langeweile bekämpft, indem er ein Atlas-Museum gegründet hat. Das habe ich jetzt besucht und bin beeindruckt.

Vorherrschend in dem umfunktionierten Wohnzimmer im etwas versteckt liegenden Haus an der Kreyenhooper Straße sind Blau und Gelb – die Farben des traditionellen Fußballvereins SV Atlas Delmenhorst. Es ist nicht zu übersehen, dass genau diese Farben den Herzschlag des 26-jährigen Kevin bestimmen. Inzwischen hat er weit über 1000 Atlas-Exponate zusammengetragen, sortiert, zum großen Teil beschriftet und geordnet. In rund 25 Quadratmetern finden sich eine große Menge von dem, was an die ruhmreiche Geschichte des SV Atlas erinnert.

Da sind die vielen Plakate, von denen die wichtigsten gerahmt an der Wand hängen. Zum Beispiel das aus dem Juni 1976, als Atlas auswärts bei Altona 93 in der Adolf-Jäger-Kampfbahn mit 4:3 gewann und den Oberligaaufstieg verwirklichte. Passend dazu hängst die Spielmannszugjacke mit dem Atlas-Emblem an einem Kleiderständer. In dieser Jacke feierten die Atlas-Spieler in einer von zwei Schimmeln gezogenen Kutsche mit ihren Fans damals den Aufstieg. Es war ein Volksfest mit rund 10.000 jubelnden Menschen. Natürlich hat Kevin auch sofort den Zeitungsartikel dazu parat.

Erinnerungen an den Aufstieg im Juni 1976

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In dieser Spielmannszugjacke feierten die Spieler.

Ins Auge fällt natürlich auch sofort das in grün gehaltene Plakat, mit dem das DFB-Pokalspiel-Heimspiel von Borussia Mönchengladbach gegen Atlas angekündigt wird. „Das Plakat hat Peter Kupka mitgehen lassen“, plaudert Kevin aus dem Nähkästchen. 6:1 gewann der hochfavorisierte Bundesligist am 31. Januar 1981 standesgemäß.

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Denkwürdig: Das DFB-Pokal-Achtelfinale des SV Atlas auf dem Bökelberg

Ich erinnere mich: Das Ehrentor erzielte Herbert Meyer kurz vor dem Halbzeitpfiff per Elfmeter. dk-Fotograf Rolf Tobis rannte damals quer über den Platz, um diesen Augenblick im Bild festzuhalten. Dass er dabei seine halbe Ausrüstung aus dem Koffer verlor, war ihm egal. Wilfried Hannes (Elfmeter), Lothar Matthäus, Hans.Günter Bruns, Uwe Rahn (2) und Harald Nickel waren für die „Fohlen“ erfolgreich. Das Endergebnis stand schon zur Pause fest. Atlas-Trainer Bernd Oles hatte folgende Spieler im Kader: Hans-Jürgen Metz, Jürgen Baumgart, Wolfgang Schröder, Thomas Pfautsch, William Donougher, Herbert Meyer, Michael Hansen, Hans-Dieter Bentrup, Ottmar Ahlers, James Weir, Günter Selke, Willi Götz.

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Schals, soweit das Auge reicht.

Zahlreiche Wimpel, Biergläser, Tassen, Schals, Schirmmützen, Nummernschilder, Buttons, Tröten, Pokale, Trikots – es fehlt an nichts. Vor allem die 27 Trikots aus den 90er Jahren erwecken mein Interesse und Erinnerungen. Zwei Ordnerjacken aus den 1990er Jahren hat Atlas-Urgestein „Ali“ Sprung beigetragen.

Trikots
Verschiedene Atlas-Trikots. Insgesamt hängen 27 im Museum.

Diese zwei Ordnerjacken hat „Ali“ Sprung vorbeigebracht

Da sind die alten Stadionhefte „Sport-Echo“ und „Atlas Journal“, deren Jahrgänge in Kevins Museum nahezu vollständig vorliegen. Ich finde dort in dem damals von Horst-Harry Bäume herausgegeben „Atlas-Journal“ auch einen Artikel von mir aus dem Jahr 1984. Ich habe damals in meiner Eigenschaft als Referent für Öffentlichkeitsarbeit der Sportjugend ein Vorwort für das Journal geschrieben.

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Einen Artikel von mir im „Atlas-Journal“ haben wir auch gefunden

Kevin ist in einer „fußball-verrückten“, oder besser gesagt „atlas-verrückten“ Familie groß geworden. Bert Drewes wurde von seinem Vater Dieter mit dem Atlas-Virus infiziert. Für sein besonderes Engagement für den SVA, den Bert Drewes und seine Frau Heike vor allem in den schlechteren Zeiten unterstützt haben, überreichte ihm die Mannschaft mit Trainer Hartmut Konschal, der das Museum auch schon besucht hat, ein Trikot mit den Autogrammen aller Spieler.

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Bert Drewes vor dem Trikot, das ihm die Atlas-Mannschaft geschenkt hat.

Kevin war gerade einmal sechs Wochen alt, als er sein erstes Atlas-Spiel erlebte. Es war der wichtige 2:0-Sieg gegen Hameln, durch den die Blau-Gelben den Abstieg in die Verbandsliga abwehrten.

Nicht verwunderlich also, dass das Atlas-Museum im Winter 2014 seinen Ursprung auf dem Dachboden von Papa Bert hatte. Da fanden sich bereits unzählige Souvenirs vom SV Atlas. Auch bei Peter Kupka wurde man auf dessen Boden fündig.

Es hat sich herumgesprochen, dass es dieses Museum gibt – auch bei ehemaligen Spielern. „Gerd Stegnitz wird im Herbst drei Trikots vorbeibringen“, freut sich Kevin. Uwe Hammes hat Original-Pokale, unter anderem den vom Aufstieg in die Regionalliga 1995, eine Sektflasche und andere Erinnerungsstücke abgeliefert. Auch andere haben ihre Unterstützung zugesagt.

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Eine Vitrine mit Erinnerungen, die Uwe Hammes geliefert hat.

Es gibt aber ein kleines Problem: Allmählich wird es zu eng im Atlas-Museum. „Ich habe schon ins Auge gefasst, es auf den Flur zu erweitern“, sagt Kevin. „Vielleicht stellt ja auch ein Sponsor des Vereins Räume zur Verfügung,“ hofft der Hobby-Museumschef heimlich.

Kevin Drewes möchte seine beachtliche Sammlung allen Atlas-Fans zugänglich machen. Damit sich auch sein persönliches finanzielles Engagement bezahlt macht. „1000 Euro  habe ich wohl schon für Möbel. Vitrinen, Bilderrahmen und so weiter zugebuttert“, rechnet Kevin vor. Um das Museum der Öffentlichkeit zuzuführen hat er die Internetseite www.svatlasmuseum.de.tl eingerichtet, die noch nicht vollständig fertig ist. Wer Interesse hat, das Museum zu besichtigen, oder über Atlas-Utensilien verfügt, die er dem Museum zur Verfügung stellen möchte, kann sich per E-Mail an svatlasmuseum@web.de melden.

Titelfoto: Ich lasse mir von Kevin Drewes Anekdoten zu den Atlas-Exponaten erzählen. Foto: Bert Drewes
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